"Alte französische Schule"
Zur Geschichte des Gebäudes

Bei der "Alten französischen Schule" handelt es sich um das letzte in der Stadt erhaltene Gebäude im Barock aus der hugenottischen Gründungszeit.Es entstand zwischen 1699 und 1704 und hat seitdem mehrere Nutzungen erfahren, zuletzt diente es verschiedenen Nutzern als Wohnhaus.
Sanierung des Gebäudes, Gestaltung der Innenräume
Vor der umfangreichen Sanierung des Gebäudes befanden sich auf der Wiesenstrassenseite zahlreiche Anbauten aus neuerer Zeit. Diese wurden zurückgebaut. Die Hoffassade wurde als Sichtfdachwerkfassade wiederhergestellt und der Innenhof neu gestaltet und als Hoffläche nutzbar gemacht. Dem historischen Erscheinungsbild folgend, bleibt die Fassade fachwerksichtig.
Im Inneren des Hauses fanden sich Schäden durch aufsteigende Feuchte, bedingt durch die fehlende Bodendichtung des nicht unterkellerten Fachwerkgebäudes.
Deutlich sichtbar waren die Fäulnisprozesse des Fußschwell- und unteren Fachwerkbereiches des gesamten Fachwerks, hierdurch kam es auch zu Setzungen der Innenwände und einiger Fassadenbereiche.
Um dem Entgegenzuwirken, entschied man sich für das abschnittweise Einbringen einer durchgehenden Bodenplatte (Abdichtungsebene).
Durch die Tieferlegung der neuen Bodenplatte um ca. eine Stufenhöhe konnte die Annäherung an eine Rumhöhe von 2,45m und eine Durchgangshöhe von annähernd 1,95 m erreicht werden. Die Tieferlegung wurde durch Abbruch der deutlich jüngeren Anbauten und des betonierten Hofbelages an der Wiesenstraße möglich.
Hier ist nun die Ebenerdigkeit und eine rollstuhlgerechte Zugangsmöglichkeit umgesetzt.
Durch die Alterung der bewitterten Fassade und des Daches kam es zu Schäden an Anstrichen und Abdeckungen der gesamten Fachwerkfassade, insbesondere im Bereich der Eckpfosten, der Fenster und den Anbauten im Erdgeschoss der Hoffassade.
Es erfolgte eine denkmal- und somit handwerklich orientierte Sanierung, beispielsweise durch Zimmermannsverbindungen als Holz-in-Holz Verbindungen, Außenputz als Kalkputz, Innenputzsystem auf Lehmbasis - beides sind bauzeitliche Bestandsmaterialien.
Einige Schäden entstanden auch durch die nicht gebäude- und denkmalverträglichen An- und Umbauten des Schulgebäudes, denkmalunverträglich eingebrachte Leitungen und Einbauten sowie unsachgemäße Ausführungen zurückliegender Reparaturen.
Es waren im Laufe der Zeit Feuchteschäden durch geschädigte Leitungen in der im Gebäude untergebrachten Küche, WC und Bad (unter der Treppe) aufgetreten. Um dem vorzubeugen, fand eine Verlagerung von Hausanschlussraum und Nasszellenräumen in den massiven Anbau statt.
Die Leitungen wurden vollständig neu verlegt, auf der neuen Bodenplatte, im Innenwandsystemauf den Außenwänden nach oben und in den Deckenbalkenfeldern. Trotz der für die neue Nutzung als Computerraum erforderlichen Leitungsdichte, konnte eine denkmalverträgliche Unterbringung realisiert werden.
Neben einem Holzschutzgutachten erfolgte insbesondere eine Restauratorische Voruntersuchung durch Restaurator Thorsten Moser. Diese kam zu folgendem Ergebnis:
Das bisher gewohnte Bild - mit dunklem Fachwerk, dunklen Bekleidungen, kräftig grünen Klappläden, teilweise Gefachen mit Beistrich - ist ein Gestaltungsrückgriff auf die Mitte des 19. Jahrhunderts.
Unter der abgenommenen Holzbekleidung über dem Erdgeschoss befand und befinden sich jedoch noch Putz und Farbbefunde, die in die Erbauungszeit datiert werden konnten und einen gebrochenen Weißton als einheitliche Fassung der Fassade als Sichtfachwerk zeigen. Leitmotiv bei der Gestaltung innen, wie auch außen war es, die entdeckten Befunde in einem gestalterischen Zusammenhang zu zeigen. Besonders innen mußte dies verträglich mit der modernen Nutzung des Hauses durch das Infoc@fé geschehen.
Im Treppenhaus fanden sich Hinweise auf eine Wandgestaltung mit unterschiedlichen Schablonenmalereien in Grüntönen, datiert ins 19. Jahrhundert. Man entschied sich, die Befunde unter einer einheitlichen Putzschicht zu bewahren und zu sichern bzw. in Sichtfenstern zu zeigen.
Die Fenster in ihrer Vielfalt der Teilungen stammen meist noch aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind ohne größere Eingriffe in die Originalsubstanz in die heutigen Kastenfenster integriert.
Die historischen Türen waren bis auf eine nur noch fragmentarisch vorhanden. Hier fiel die Entscheidung für einen zeitgemäßen Typ.
Ein Teil des breiten Dielenbodens im Obergeschoss ist wieder eingebaut und durch neue Dielen ergänzt worden.
Im Erdgeschoss wurde neben Fliesen in den WC-Räumen eine moderne und beanspruchbare Estrichbeschichtung auf der neuen Bodenplatte aufgebracht. Der Veranstaltungsraum erhielt ebenfalls Dielen.
Erhalten blieb die - geschossweise einläufige - eingestemmte Holztreppe mit ihrem zumindest im Erdgeschoss noch vorhandenen Geländer mit dekorativ ausgeschnittenen Brettern in Anlehnung an die Barockzeit.
Auf der Wand am Treppenaufgang befinden sich die größten Malereibefunde in Form von zwei flächig erhaltenen Schablonenmalereien und diversen zusätzlichen Fragmenten, auch diese wurden erhalten.
In der Enge des Treppenlaufes wurde auf einer hinterlüfteten Holzbekleidung mit ebenfalls integrierten Sichtfenstern als Original-Befundausschnitt eine Teil-Nachbildung der historischen Schablonen auf der Holzbekleidung geschaffen, um Gestaltung zu zeigen, jedoch Beschädigung der Originale durch Vorbeilaufen zu verhindern.
Die erfolgte bauliche Sanierung des Kulturdenkmals wurde konstruktionsverträglich durch ein Innendämmsystem auf Lehm- und Holzwollebasis auch energetisch saniert - Bodenplatte und Decke über dem ersten Obergeschoss sind ebenfalls gedämmt, der Dachraum wird gezielt ungenutzt durchlüftet.
Die mit der Nutzung durch das Infoc@fé, insbesondere durch die Computerraumnutzung verbundene Leitungsverlegungsdichte, konnte im Estrich des Erdgeschossbodens, im Innendämmsystemaufbau und den Deckenbalkenfeldern gebäudeverträglich untergebracht werden.
Mit der Nutzung durch die medienpädagogische Einrichtung Infoc@fé findet nun die historische Nutzung als Schule wieder eine Entsprechung.
Beinahe eine Umsetzung des letzten Mottos der "Alten Schule", das neben dem Spruchband auf der Pfarrgassenseite aus dem 20. Jahrhundert, auch in den Räumen der Schulnutzung hing:
"Die erste Schule war in diesem Haus
Die Lehre für das Rechte und das Schöne
Und was die Alten trugen hier hinaus
Das zeigen heut die Töchter und die Söhne".
(Quelle: "Rittmannsperger Architekten, Darmstadt", Fotos: D.P.)
Schulklassen und interessierte Jugendgruppen können nach Absprache mit den Infoc@fé Mitarbeitern das Gebäude besichtigen und sich Bilder vom Zustand des Hauses vor der Renovierung vorführen lassen.
Ein Besuch des Hauses kann auf Wunsch, in Absprache mit uns, mit einem medienpädagogischen Input (Beispielsweise eine kurze Einführung zur Sicherheit im Internet) verbunden werden.