Dossier: Cyberbullying/Cybermobbing
Was verbirgt sich hinter dem Begriff?
Mobbing wird definiert als „eine Form von offener und/oder subtiler Gewalt gegen Personen über längere Zeit mit dem Ziel der sozialen Ausgrenzung“
Der Begriff „Mobbing“ ist verwandt mit dem Begriff „Bullying“ und wird oft als Synonym verwendet.
Bullying wird eher auf die Schikanen unter Kindern und Jugendlichen in der Schule bezogen, während Mobbing das Tyrannisieren am Arbeitsplatz beschreibt.
(Link: http://schulkinder.suite101.de/article.cfm/handymobbing_unter_kindern)
Cyberbullying beschreibt das Schikanieren von Mitmenschen mithilfe neuer Kommunikationstechnologien wie Sozialen Netzwerken, SMS, E-Mail, Instant Messengern oder dem Chatten. Über gesendete Nachrichten werden Mitschüler beleidigt, verleumdet, belästigt und bedroht. Der Täter bleibt anonym, man kann ihm nicht wie einem Mobber auf dem Schulhof aus dem Weg gehen. Das Mobbing kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden. Es gibt keine Zeit und keine Umgebung mehr in der sich das Opfer sicher fühlen kann. Das Schema von Dominanz und Unterwerfung kann somit auf andere soziale Räume übertragen werden.
Damit endet Cyberbullying für die Opfer nicht nach der Schule, sondern erreicht sie auch in der Freizeit.
Tatort: “World Wide Web”
Im Allgemeinen unterscheidet man sieben verschiedene Arten von Cybermobbing. Die vulgäre, beleidigende Sprache (Flaming), die Belästigung, die Verunglimpfung, das betrügerische Auftreten z.B. in Form von Identitätsklau, das Outing und Verrat, der Ausschluss und das Cyberstalking. Hierbei verfolgt der Stalker die Person über alle besuchten Webseiten. Stalker und Mobber missbrauchen die Daten, die sie im Netzwerk finden.
Online werden Meinungen ausgetauscht und Ansichten dazu gebildet. Das ist praktisch. Dazu gehört auch das Lästern und Klatschen (Im SchülerVZ z.B. Gruppen wie „Wir lästern nicht, wir stellen nur fest“). Dies kann aber sehr schnell in eine falsche Richtung gehen und gefährlich werden. (Link: Dossier SchülerVZ)
Cyberbullying dauert oftmals länger und wird schlimmer empfunden als normales Mobbing. Der Unterschied ist, dass der Tratsch im Netz nicht verhallt wie in einem Gespräch, sondern lange Zeit präsent ist. Die Betroffenen sind dazu geneigt, das geschriebene Wort immer wieder zu lesen und hervorzuholen. Behauptungen stehen dadurch dauerhaft im Netz und können von vielen Menschen eingesehen werden. Diese fehlende räumliche Begrenzung macht Cyberbullying so gefährlich. Im World Wide Web findet es ein großes Publikum und nimmt bedrohliche Dimensionen an. Sind mit dem Handy fotografierte peinliche Aufnahmen oder Beleidigungen einmal ins Netz gestellt, breiten sie sich aus wie ein Lauffeuer. Die Mobbingopfer erfahren zusätzlich zu den Beleidigungen ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Schwarz auf Weiß wird ihnen vor aller Welt bescheinigt, nicht gemocht zu werden.
Kopiert und verbreitet jemand Gerüchte („Lisa ist doof!“), wird eine Lawine losgetreten, die harmlosen Tratsch bis hin zum Mobbing eskalieren lassen kann. So werden z.B. im SchülerVZ oftmals eigene Hassgruppen („Lisa ist so doof das sie die Treppe runterfällt“) gegründet, in denen die Opfer öffentlich verunglimpft werden. Beleidigende Einträge finden sich auf dessen Pinnwänden oder verletzende Kommentare zu den Fotos. Immer mehr Schüler springen ohne lang darüber nachzudenken auf das Pferd auf, und so kann die Gruppe innerhalb kurzer Zeit sehr, sehr viele Mitglieder verzeichnen.
Identitäts- und Passwortklau
Um Opfer zu diffamieren, werden z.B. Profilbilder in andere Kontexte gesetzt oder negativ verändert. Im schlimmsten Fall werden sie in gefälschte Profile eingesetzt. In diesen Profilen, die Schüler für andere Schüler anlegen, werden böse Unterstellungen gemacht, Lügen verbreitet oder ungünstige Fotos eingestellt. Die Opfer merken zunächst nichts davon, sofern sie selbst noch nicht im Netzwerk angemeldet sind. Erst wenn sie in der realen Welt jemand auf ihr unvorteilhaftes Profil anspricht, gehen sie der Sache nach und sind schockiert, zu sehen, dass ihnen jemand die eigene Identität geklaut hat.
Auch bereits vorhandene Profile können unvorteilhaft verändert werden. Eine oft benutzte Form des Mobbings ist der sog. Passwortklau. Enge Freundinnen tauschen gerne ihre Passwörter untereinander aus. Aber auch die beste Freundschaft zerbricht im Jugendalter sehr schnell und aus Liebe wird Hass. So loggt sich eine der beiden mit dem Passwort der anderen im SchülerVZ ein, verändert die Fotos ins negative, schreibt an alle Kontakte böse Beschimpfungen und verändert letztendlich auch noch das Passwort, so dass die eigentliche Inhaberin des Profils sich selbst nicht mehr einloggen kann und sich am nächsten Tag wundert, warum in der Schule niemand mehr mit ihr spricht!
Wie mache ich mir ein sicheres Passwort (Link: http://www.infocafe.org/03inetsicherheit.html)
Aufdeckung:
Die Anonymität des Internets senkt die Hemmschwelle, jemanden zu mobben gewaltig und bietet den Tätern eine optimale Tarnung. Unter falschen Namen schikaniert es sich einfacher und Beleidigungen werden schneller und sorgloser geäußert. Die Reaktionen und Betroffenheit der Opfer werden im Internet nicht unmittelbar erfahren, daher handeln Mobber skrupelloser und enthemmter. Oft sind sich Schüler, die andere mobben, gar nicht darüber bewusst, wie verletzend ihr Verhalten ist und was sie damit anrichten.
Cyberbullying wird von den Erwachsenen oft zu spät oder gar nicht bemerkt, da es medienvermittelt und damit oft heimlich geschieht. Bei den Themen Computer, Internet und Handy sind Kinder und Jugendliche häufig die Experten in der Familie. Sie wachsen wie selbstverständlich mit dem Computer und der „virtuellen Welt“ auf, Medien gehören zu ihrer Lebenswelt. Erwachsene sind aufgrund von Unkenntnis dieser neuen Technik gegenüber oftmals sehr unsicher und warnen eher vor der Nutzung. Aufgrund von negativer Presse, den tatsächlichen Gefahren und zum Teil gewalthaltiger Inhalte (insbesondere in Computerspielen) schlägt diese Unsicherheit nicht selten in Skepsis bis hin zur völligen Ablehnung um.
Diese negative Besetzung führt dazu, dass sich die Kinder und Jugendlichen oft nicht trauen sich mit ihren Sorgen an Eltern oder Lehrer zu wenden, da diese sich in dem bestätigt sehen was sie bereits befürchtet und schon immer gesagt haben! Aus Angst vor einem nun endgültigen Nutzungsverbot und aus Scham behalten die Opfer ihre Probleme dann doch lieber für sich.
Auswirkungen:
Im schlimmsten Fall führt das Cyberbullying dazu, dass die Opfer Selbstmord begehen – ein sehr krasses Beispiel ist die „Megan Meier Story“ aus den USA, die zeigt, welche Dimensionen ein solches Onlinemobbing annehmen kann.
( Link: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,518042,00.html )
Auch wenn Cyberbullying nicht mit Selbstmord endet; die Opfer leiden darunter, denn ihr Selbstvertrauen ist meist zerstört. Hinzu kommen schulische Probleme, denn die Mobbingopfer trauen sich häufig gar nicht mehr in die Schule aus Angst vor weiteren Ausgrenzungen. Soziale Probleme sind die Folge. Das Misstrauen frisst das Opfer auf: kann auch mein Freund dabei gewesen sein? Die ständige Ungewissheit führt dazu, dass sich die Kinder und Jugendlichen aus ihrer gewohnten sozialen Umgebung zurückziehen und ihre Kontakte zu Freunden kaum noch pflegen. Auch Freizeitaktivitäten werden stark eingeschränkt aus Angst, z.B. im Sportverein den Mobber zu treffen. Ein allgemeines Misstrauen anderen Personen gegenüber tritt ein, man weiß nicht wem man noch trauen kann. Dies kann auch zu psychischen Erkrankungen z. B. Depressionen oder anderen Verhaltensproblemen führen.
Ursache
Der Hauptgrund andere zu mobben, ist in der Regel die eigene Angst des Täters. Angst vor dem sozialen Abstieg innerhalb der Gruppe, Angst vor dem Versagen bei neuen Aufgaben oder Angst vor Überforderung führen häufig (bewusst oder unbewusst) zu einem solchen Verhalten.
Mobber versuchen, ihre Stellung in der Gruppe oder ihr Selbstwertgefühl zu festigen, indem sie wehrlose Opfer einschüchtern und ihnen immer mehr Angst einjagen. So demonstrieren sie ihre Stärke und ihre Macht, denn Mobber erscheinen anderen selbstsicher und dominant. Häufig vermissen die Täter aber selbst eine faire und gute Behandlung.
Beim Cybermobbing haben die Täter noch mehr Möglichkeiten, als beim Mobben in realen Leben. Die Anonymität des Internets, der unbeschränkte Zugang zum Medium und der Mangel an Kontrolle ermöglichen ein einfaches schnelles Handeln. Die Mobber befinden sich in meist unkontrollierten virtuellen Räumen ohne Erwachsene und können ihre Gemeinheiten leichter unbeobachtet begehen. Sie fühlen sich sicher, da sie keine offensichtlichen Konsequenzen (Strafe) fürchten. Da das Opfer nicht präsent ist und seine Leiden somit nicht zu beobachten sind, entfällt der letzte Rest von Empathie. Das Mobben ist erfolgreicher, weil es meist sofort einer großen Öffentlichkeit bekannt wird. Viele empfinden Mobben im digitalen Raum als „Spiel“ oder denken, dass es doch nur „Spaß“ ist.
Mobbing gegen Lehrer
Auch Lehrer werden im Internet immer häufiger gemobbt. Sie werden in peinlichen Situationen gefilmt, mit schmutzigen SMS tyrannisiert oder unfreiwillig in Sex-Chatrooms angemeldet.
In sozialen Netzwerken oder den Bewertungsportalen, werden Lehrer gerne gemobbt indem sie negativ bewertet werden, zum Beispiel wegen ihrem Aussehen. Offensichtlich wird dies auf der Plattform www.Spickmich.de, die Schülern eine Bewertung ihrer Lehrer zugesteht.
Grundsätzlich sollte man unterscheiden zwischen relativ harmlosem Lehrer-Ärgern („Ich versteh nix im Unterricht von Herrn XY“) und persönlichkeitsbeleidigenden Äußerungen („Herr XY ist der schlechteste Lehrer und außerdem eine fette Sau“). Bei solchen ausfallenden Äußerungen werden Schwellen überschritten und das Web gezielt zum Mobbing eingesetzt. Dieses Statement hat mitunter eine rechtliche Konsequenz und in der Regel erfolgt ein Schulverweis.
Der Straftatbestand der Beleidigung ist schnell erfolgt!
Aber auch ein Verstoß gegen das Urheberrecht ist schnell erreicht, wenn Bilder ohne das Einverständnis des Abgebildeten öffentlich gemacht werden bzw. missbraucht werden.
Was Eltern und Pädagogen tun können:
Damit Kinder ihren Eltern von den Demütigungen im Netz frühzeitig berichten, ist ein gutes Vertrauensverhältnis wichtig.
Ein konsequentes Vorgehen von Eltern und Schule gegen die Täter kann helfen, das Schweigen der Opfer zu brechen. Der erste Weg des Gemobbten sollte demzufolge zu den Eltern, einem Vertrauenslehrer oder der Schulsozialarbeit gehen. Hilfreich ist es, wenn diese sich dann mit der Plattform auskennen und als Reaktion das Internet nicht verbieten. Voraussetzung dafür ist eine bestehende Vertrauensbasis. Ernst genommen werden Eltern und Pädagogen, wenn sie die Medienwelt von Jugendlichen verstehen und anerkennen. Eltern und Pädagogen sollten Interesse an den Onlinetätigkeiten der Kinder zeigen und diese ruhig auch mal selber ausprobieren. Sie sollten das Wissen der Kinder (der Experten!) nutzen, davon lernen und darüber mit den Kids diskutieren. Es gilt nicht die Kinder und Jugendlichen zu überwachen, viel wichtiger ist ein gemeinsamer Dialog über das Geschehen und eigene Handeln im Netz. Vertrauen Sie den Kids, erarbeiten und handeln sie auf dieser Basis gemeinsam mit den Kindern Regeln und Strategien zum Umgang mit Mobbing, sexuellen Belästigungen, Datenschutz und Persönlichkeitsrechten aus. Damit können Sie Jugendliche stärken und sensibilisieren und haben eine gute Vertrauensbasis geschaffen damit Kinder und Jugendliche zu Ihnen kommen wenn sie sich im Netz nicht mehr wohl fühlen.
Damit Kinder und Jugendliche sich verantwortungsvoll in sozialen Netzwerken bewegen, ist es wichtig sie über mögliche Gefahren und Risiken aufzuklären.
Seien Sie selbst ein gutes Vorbild! Weder Rechner noch Fernsehen sollten eine übermäßige Präsenz im Familienleben haben.
Achten Sie darauf dass die Kinder und Jugendlichen in Sozialen Netzwerken ein sicheres, starkes Passwort verwenden welches sie auch nicht weitergeben bzw. aufschreiben.
Sehr wichtig ist es, im Fall von Onlinemobbing Beweise zu sichern. Drucken Sie die entsprechenden Seiten aus oder machen Sie eine Bildschirmkopie (Screenshot)!
Download: Dossier als .pdf Datei
Linktipps zum Thema:
Seitenstark.de "Mobbing - Schluß damit!"
http://mobbing.seitenstark.de/index_k.asp?ext2=mobbing
Respekt im Netz
http://www.respekt-im-netz.net/
Newsletter von Internet ABC mit Schwerpunkt Mobbing
http://www.internet-abc.de/eltern/bin/138004-138010-1-newsletter20-mobbing-im-internet-swp.pdf
Klicksafe.de "Cybermobbing"
https://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/cyber-mobbing/cyber-mobbing-was-ist-das.html
http://www.jugendschutz.net
http://www.jugendschutz.net

